Fachausschuss „Kriegsbeeinflusste Böden" – Böden als Zeugen des 1. und 2. Weltkriegs"

Aktivitäten 2017

Exkursionsankündigung

Narben in der Landschaft - Relikte von Krieg, Gewalt und militärischer Nutzung im Raum Halberstadt,

Sachsen-Anhalt

vom  06. bis 08.10.2017

Die Herbstexkursion 2017 des Fachausschusses „Kriegsbeeinflusste Böden“ im Bundesverband Boden e.V. führt in den Raum Halberstadt.

Halberstadt war seit dem 17. Jh. Garnisonsstandort. Erst 1994 wurde die militärische Nutzung aufgegeben. Die Landschaft in und um Halberstadt ist durch kriegs- und militärbedingte Strukturen geprägt. Aufgrund der kriegswichtigen Produktion von Flugzeugteilen durch die Firma Junkers wurde Halberstadt mehrfach bombardiert. Im April 1945 ist ein Großteil der historischen Innenstadt zerstört worden. Riesige Schuttmengen waren in der Nachkriegszeit zu bewältigen.

Zur Verlagerung der Flugzeugproduktion unter Tage wurde südlich von Halberstadt in den Thekenbergen durch KZ-Insassen des Lagers Langenstein-Zwieberge innerhalb kurzer Zeit ein großes Stollensystem mit Befahrmöglichkeit durch Eisenbahnzüge in den Sandstein getrieben, das in der Nachkriegszeit weitergenutzt wurde. Der Schutt aus den Stollen wurde in der Umgebung abgelagert. Das ehemalige Konzentrationslager mit seinen erhaltenen Lagergrundrissen ist heute Gedenkstätte.

In der Nachkriegszeit bestanden südlich von Halberstadt ausgedehnte Truppenübungsplätze, deren Geländestrukturierung noch weiträumig erhalten ist.

Im Fokus der Exkursion stehen neben den historischen Ereignissen vor allem die Geländestrukturen und deren Alter, Aspekte des Landschaftswandels nach Beendigung der Kriegseinwirkungen und Aufgabe der militärischen Nutzung sowie Beschaffenheit, Veränderung und Entwicklung der Böden.

Die Exkursion wird vorbereitet und durchgeführt von:

  • Mechthild Klamm (Bundesverband Boden e.V., Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege Sachsen-Anhalt)
  • Henrik Helbig (Bundesverband Boden e.V., Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt)
  • Wolfgang Kainz (Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt)
  • Michael Steininger (Bundesverband Boden e.V., Mitteldeutsches Institut für Standortkunde und Bodenschutz).

Vor Ort sind weitere Fachkollegen eingebunden und stehen für Fragen zur Verfügung.

Da Halberstadt als alte Bischofsstadt mit Domschatz im kulturgeschichtlich bedeutenden Nordharzvorland mit seinen zahlreichen Denkmalstätten liegt (Unesco-Weltkulturerbestadt Quedlinburg, geologisches Naturdenkmal Regenstein, Kloster Michaelstein, Gernrode, …) ist eine Verlängerung des Aufenthaltes sehr empfehlenswert.


Exkursionsplanung (Änderungen vorbehalten)

Die genauen Uhrzeiten werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Freitag, 06. Oktober 2017

  • nachmittags: Stadtführung mit Schwerpunkt Bombardierung und Nachkriegsgeschichte Halberstadts
  • Abendessen im Hotel „Halberstädter Hof“
  • Einführungsvorträge: militärisch genutzte Böden in Sachsen-Anhalt, Geologie, Geschichte und Geländestrukturen des Militärwesens im Raum Halberstadt

Samstag, 07. Oktober 2017

  • Halberstädter Trümmerschutthalde in den Spiegelsbergen mit Bodenprofil (Bodenentwicklung)
  • Medingschanze – Schaugrabenanlage I. WK
  • Kleine Mittagspause
  • Ehemaliger Fliegerhorst mit Bombentrichtern und Relikten der ehemaligen Baulichkeiten
  • Militärisches Übungsgelände an den Thekenbergen (Gräben, Bombentrichter, Fahrzeugstellungen, Unterstände, Schießbahnen (ca. 1945 bis 1990) mit Bodenprofilen (Bodenentwicklung, stratigraphischen Überschneidungen, Stabilität und Verfüllung von Abgrabungen)
  • Abendessen im Hotel „Halberstädter Hof“
  • Diskussion mit Impulsvortrag: Kooperation von Bodenkundlern, Archäologen und Historikern zur Präsentation von Militär- und Kriegsschauplätzen als archäologisch-historisch sowie bodenkundlich relevante Denkmallandschaften

Sonntag, 08. Oktober 2017

  • KZ Langenstein-Zwieberge und Projekt „Malachit“: Besichtigung ehemaliges KZ, Stollen und Halden des Stollenaushubs
  • Bodenprofil auf einer Halde (Bodenentwicklung seit 1945)
  • Evtl. Besichtigung von Höhlenwohnungen in Langenstein
  • Mittags- oder Kaffeepause im Schäferhof Langenstein

    Anmeldung

        Anmeldung bitte bis spätestens 01.09.2017 bei Mechthild Klamm

        E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Es ist auch möglich, nur an einzelnen Tagen an der Exkursion teilzunehmen.

       Wir benötigen von Ihnen folgende Angaben:

        Teilnahme an der gesamten Exkursion (siehe Plan):      ja/nein

        Wenn nein, bitte angeben:

Teilnahme Exkursion Freitagnachmittag, 06.10.17:         ja/nein

Teilnahme Abendessen und Vortrag am 06.10.17:          ja/nein

Teilnahme Samstag, 07.10.17:                                             ja/nein

Teilnahme Abendessen und Diskussion am 07.10.17:    ja/nein

Teilnahme Sonntag, 08.10.17:                                             ja/nein

Übernachtung (bitte selbst buchen)

Bitte buchen Sie ihr Zimmer im „Halberstädter Hof“ bis spätestens 15.5.17 unter dem Stichwort „Bundesverband Boden“. Bei späterer Buchung müssen Sie u.U. auf ein anderes Hotel ausweichen.

       Hotel „Halberstädter Hof“ in Halberstadt, Sachsen-Anhalt

       htp://www.halberstaedter-hof.de

       Tel: 03941 27080 E- Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Aktivitäten 2016

Die mittlerweile 6. Exkursion des Fachausschusses Kriegsbeeinflusste Böden fand im Oktober 2017 unter der Leitung von Michael Kerth im Raum Süd- und Ostwestfalen statt. Sie führte von Soest aus zur im 2. Weltkrieg zerstörten Möhnestaumauer, dessen Flutwelle durch Erosion- und Akkumulation bis heute sichtbare Spuren im Boden hinterlassen hat ("Möhnelage"). Des Weiteren wurde eine morphologisch erhaltene Bombentrichterlandschaft in Schwerte begangen, Bombardierungsspuren im Umfeld des Arnsberger Eisenbahnviaduktes sowie die Reste der ehemaligen Luftwaffenmunitionsanstalt Harth in Büren besichtigt und endete mit einem Rundgang durch die ebenfalls stark zerstörte Domstadt Paderborn. Neben der Vorbereitung einer Exkursion für das Jahr 2017, diese ist für Oktober in den Raum Halberstadt geplant, wurde auch über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Museen bzw. anderer Lehreinrichtungen diskutiert, um etwa typische Kriegsveränderungen des Bodens als Lernobjekt einer größeren Zielgruppe zugänglich zu machen.

 

Aktivitäten 2015

Die nächste Exkursion unseres Fachausschusses findet am Wochenende 17./18. Oktober 2015 an den Bodensee statt (mit einem Vortreffen für alle Interessierten am Freitag, dem 16.10. abends) - Herr Weinknecht hat als "Lokalmatador" die Federführung und Planung übernommen. Der Raum Friedrichshafen war im 2. Weltkrieg einer der bedeutendsten Rüstungsstandorte im Deutschen Reich (u. a. die Zeppelin- und Dornier-Werke, Standort der V2-Produktion...), wurde bei einer Vielzahl von Luftangriffen stark bombardiert und dementsprechend verteidigt.

Die von Herr Weinknecht erarbeitete vorläufige Programmübersicht ist unter dem untenstehenden Link "Planung" einzusehen. Um die weitere Vorplanung zu erleichtern (und Ihnen die Gelegenheit zu einer frühzeitigen Buchung zu geben), möchten wir Sie bitten möglichst bis Ende Juni eine Rückmeldung zu geben, ob Sie planen an der Exkursion teilzunehmen, bei Michael Kerth Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Bernd Steinweg Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Planung


 Aktivitäten 2014


Die nunmehr dritte Exkursion des Fachausschusses am 11. Oktober 2014 führte uns unter Leitung von Dr. Michael Kerth und mit Unterstützung des Geschichtsvereins ins ostwestfälische Altenbeken. Als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt mit zwei infrastruktursensiblen Viadukten  war die 15 km nordöstlich von Paderborn gelegene Kleinstadt mehrfaches Ziel allierter Bomberangriffe. Insgesamt fielen in den Jahren 1944/45 knapp 1.500 Bomben - aufgrund begrenzter Möglichkeiten der Navigation zu der Zeit, z. T. schlechter Sichtverhältnisse sowie technischer Schwierigkeiten und Flakbeschuss fielen die Bomben in einem relativ großen Umkreis vom eigentlichen Ziel entfernt. Wurden die Bombentrichter auf den v. a. im Beketal gelegenen ackerbaulich genutzten Flächen nachkriegszeitlich schnell wieder eingeebnet, sind bis heute eine Vielzahl der Bombentrichter in den hügeliger gelegenen, extensiver genutzten Grünlandflächen sowie den ausgedehnten Waldgebieten erhalten geblieben. Hier liegen diese z. T. landschaftsprägenden Hohlformen neben natürlichen Erdfällen und Dolinen sowie Pingen, die vom mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Erzabbau zeugen. Der größte besichtigte Bombentrichter einer 5.400 kg schweren sog. "Tall-Boy" Bombe hatte einen Durchmesser von rd. 30 und eine Tiefe von 10 Metern.

Bereits morphologisch lassen sich die unterschiedlich entstandenen Hohlformen dabei voneinander abgrenzen: Im Gegensatz zu den natürlich entstandenen Erdfällen und Dolinen, zeigen die untersuchten Bombentrichter einen mehr oder weniger ausgeprägten "Ringwall" um den Trichter herum, der durch die Druckwelle der Explosion sowie ausgeworfenes Bodenmaterial entstanden ist. Pingen des Erzbergbaus haben dagegen oft weniger rundlich ausgeprägte Formen und das Aushubmaterial ist häufig asymetrisch auf einer Seite abgelagert. Typische Bodenbildungsprozesse in und im Umfeld von nicht eingeebneten Bombentrichtern sind a) die Überdeckung der ursprünglichen Bodenoberfläche durch beaufschlagtes Auswurfmaterial; einhergehend mit der Fossilierung der ursprünglichen Bodenoberfläche und b) die schwerkraftbedingte Einschwemmung von Bodenmaterial in die Hohlform, die hier zu einer Anreicherung von organischer Substanz bis hin zur Entstehung von Kolluvisolen geführt hat. Für die Geschwindigkeit der nachkriegszeitlich eingesetzten Bodenneubildungsprozesse ist das Ausgangsgestein mitentscheidend, so konnte auf relativ weichen, karbonatreichen Mergelsteinen eine ausgeprägtere Neu-Oberbodenbildung festgestellt werden als auf silikatreichen Sandsteinen. Frau Sarah-Maria Brouwer, Studentin an der Hochschule Osnabrück, entwickelte im Rahmen Ihrer Praktikumsaufgabe bei der Dr. Kerth & Lampe GmbH aus den Ergebnissen sowie weiteren eigenen Untersuchungen eine erste Grundlage, wie die zur Geschichte in der Region gehörenden Bombentrichter Möglichkeiten für den Tourismus und die Bodenbewusstseinsbildung bieten können.

 

Aktivitäten 2013

Nach der Exkursion in den Hürtgenwald, im Frühjahr 2013 hat am 6. Oktober 2013 in Kooperation mit der Regionalgruppe Ost eine zweite Exkursion des Fachausschusses stattgefunden. Koordiniert durch Dr. Henrik Helbig (LAGB Sachsen-Anhalt) fand unter fachlicher Leitung von Prof. Frank Eulenstein (ZALF) und Dr. Dieter Kühn (LGBR Brandenburg) die Exkursion zu den Seelower Höhen östlich von Berlin statt. Hier durchbrachen im April 1945 sowjetische Truppen nach mehrtägigen heftigen Kämpfen die deutsche Frontlinie, so dass der Weg nach Berlin frei wurde. Noch heute sind in der Landschaft weitverbreitet ehemalige deutsche und sowjetische Stellungen sowie Bomben- und Granattrichter erkennbar. Sie bezeugen ebenso wie die allgegenwärtigen Soldatenfriedhöfe das Ausmaß der Kämpfe. An Bodenprofilen aus sandigen bis lehmigen Substraten konnten einerseits die natürlich vorkommenden Fahlerden, andererseits auch deren lokale Überprägung durch die Kriegsereignisse in Augenschein genommen werden.
Das Exkursionsprogramm, aber auch die angeregte Diskussion unter den 15 Teilnehmern machte deutlich, dass die Thematik den Einbezug von Historikern und Archäologen erfordert. Gleichzeitig wurde auch deutlich, dass zur Erfassung der „Kriegsbeeinflussung“ und der bodenbildenden Prozesse nach Ende der Einwirkung ggf. eine sehr kleinskalige Betrachtung („Transsekte“) erforderlich ist. Neben einer fachlichen Aufarbeitung ist es Ziel der Fachausschuss-Arbeit, den zu erwartenden „Medien-Hype“ anlässlich 100 Jahren 1. Weltkrieg und 75. Jahren 2. Weltkrieg für die Schaffung von mehr Bodenbewusstsein zu nutzen. An kriegsbeeinflussten Böden kann sehr konkret aufgezeigt werden, dass der Boden einerseits ein Archiv, andererseits aber gerade auch ein „lebendiger Organismus“ ist, der auf alle Arten von Einwirkungen reagiert.


Fachausschuss „Kriegsbeeinflusste Böden" – Böden als Zeugen des 1. und 2. Weltkriegs"

Im Jahr 2014 stand sowohl 100 Jahre Beginn des 1. Weltkrieges als auch 75 Jahre Beginn des 2. Weltkieges an. Dieses sollte für den Bundesverband Boden e. V. die Chance bietet, über das Thema „Böden als Zeugen der Weltkriege" in der Öffentlichkeit ein verstärktes Bodenbewusstsein zu schaffen.

Mit dem 1. Weltkrieg beginnt das Zeitalter der „technischen" Kriege, die in den Front- und Kampfgebieten zu einer großflächigen Zerstörung und Veränderung der Landoberfläche einschließlich des Bodens führen. Im 2. Weltkrieg wurden zusätzlich zu den Zerstörungen im Bereich der (wesentlich mobileren) Fronten durch Flächenbombardements und Artilleriebeschuss im „Hinterland" großflächige Zerstörungen verursacht.

Die „technischen" Kriege führten (und führen) durch Beschuss und Bombardierung, aber auch durch Errichtung militärischer Infrastruktur (Stellungen, Schützengräben, Bunker, Straßen usw.) zu einer – zum Teil flächenhaften – Veränderung des Bodens bis in mehrere Meter, ggf. auch mehrere 10er Meter, Tiefe. Außerdem erfolgen erhebliche (Schad-)Stoffeinträge (Metalle aus Hülsen und Munition, chemische Kampfstoffe usw.) in den Boden.

Nach den Weltkriegen wurden die „Kriegsböden" in den Agrarlandschaften Mitteleuropas vergleichsweise schnell wieder rekultiviert, nur auf landwirtschaftlich nicht oder nur gering produktiven Böden (v. a. Vogesen, Alpen usw.) oder so stark munitionsbelasteten Flächen, dass mit der Rekultivierung extreme Risiken verbunden waren (z. B. viele Standorte um Verdun), sind die Spuren des 1. WK noch an der „Oberfläche" erkennbar. Ähnliches gilt für die durch den 2. Weltkrieg zerstörten Gebiete. Dabei führte die Rekultivierung (Entmunitionierung, Verfüllung von Hohlformen usw.) zu erneuten Veränderungen des Bodens.

Auch in rekultivierten „Kriegsböden" werden sich Spuren der Kriegseinwirkungen wiederfinden; diese können daher grundsätzlich als „Archivböden" eingestuft werden – und dies nicht nur als „Matrix", in der die Schlachtfeldarchäologie ihre Funde macht, sondern als eigenständiges Bodenarchiv. An den Kriegsböden kann in besonders drastischer Form aufgezeigt werden, zu welcher (Umwelt-) Zerstörung der Mensch fähig ist. Gleichzeitig kann aber an rekultivierten und neu entwickelten Böden auf kriegszerstörtem Untergrund auch die im mitteleuropäischen Klima beachtliche Regenerationsfähigkeit der Böden (Bodenneubildung) verdeutlicht werden.

Für die Jahre 2014ff. mit der dann hohen öffentlichen Aufmerksamkeit für die beiden Weltkriege besteht für uns als BVB / als Bodenschützer also die Möglichkeit, einen Teil dieser Aufmerksamkeit auch auf den Boden zu ziehen. Dies kann in Form von Exkursions- und Vortragsveranstaltungen (z. B. VHS, Naturschutzakademien), Zeitungs-, Rundfunk- oder Fernsehbeiträgen usw. oder in Projekten an Schulen (z. B. auch durch die Initiierung von Facharbeiten in der Oberstufe) erfolgen.

Dabei sind direkt oder indirekt kriegsbeeinflusste Böden in Deutschland zumindest in Form von Bombentrichtern und Flakstellungen, aber zum Beispiel auch ehemaligen Schießständen und letztendlich den „Trümmerschuttböden" nahezu flächendeckend vorhanden. In vielen Gebieten Deutschlands gibt es aber aus den letzten Kriegsmonaten auch in erheblichem Umfang Panzer- und Schützengräben. Noch dramatischer kann die Einwirkung auf den Boden an Schlachtfeldern aus dem 2. Weltkrieg wie zum Beispiel den Seelower Höhen östlich von Berlin oder dem Hürtgenwald östlich von Aachen verdeutlicht werden.

Zu überlegen ist auch, inwieweit wir als BVB mit der Thematik Kontakt zu belgischen, französischen, italienischen, slowenischen und polnischen Kollegen im Hinblick auf die Schlachtfelder vor allem auch des 1. Weltkrieges aufnehmen. Nach einer ersten Abschätzung sind im 1. Weltkrieg im westlichen Mitteleuropa einige Zehntausend Quadratkilometer Landoberfläche (= Boden) total zerstört worden und mit den Hinterlassenschaften muss heute immer noch umgegangen werden.

Das Thema bietet auch vielfältige Verknüpfungsmöglichkeiten mit der (Schlachtfeld-) Archäologie, (Militär-) Historikern, Kriegsgräberfürsorge, Kampfmittelräumung, Lokalgeschichte usw. Diese Verknüpfungsmöglichkeiten bestehen bis hin zu einer Auseinandersetzung mit der Blut-und-Boden-Ideologie oder dem im 3. Reich bestehenden Gedanken der Verteidigung des „Heimatbodens bis zum letzten Mann" oder der Aufarbeitung der „Wahrnehmung" des Bodens durch die Soldaten in den Schützengräben (in Literatur, Verfilmungen, Frontberichten, Feldpostbriefen). Mit dem „Vehikel" Kriegserinnerung kann also zu einem vertieften Bodenbewusstsein beigetragen werden. Gut angepackt und vorbereitet müssen wir auch keine Angst haben, in die „falsche Ecke gestellt zu werden". Die Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften von zwei Weltkriegen sollte aus unserer Sicht auch nicht den „ewig Gestrigen" überlassen bleiben!

Aufgabe des Fachausschusses soll einerseits die fachliche Beschäftigung mit dem Thema sein, andererseits sollen aber auch Materialien / Strategien für eine Außenwirkung (mit Schwerpunkt 2014ff.) vorbereitet werden.

An dem Thema Interessierte können sich bei Michael Kerth (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder Bernd Steinweg (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) melden.

 

Fachausschuss "Bodenkundliche Baubegleitung"

BVB Prospekt 2stg 4c1

Seit dem 25. Juli 2013 ist das BVB Merkblatt 2 "Leitfaden Bodenkundliche Baubegleitung" als Monografie im Handel erhältlich.