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Unter dem Motto Bodenschutz im Spannungsfeld
zwischen Wissenschaft und Vollzug fanden vom 13. – 15. Oktober 2003
die Marktredwitzer Bodenschutztage statt, deren Schirmherrschaft wiederum
der bayerische Umweltminister Dr. Werner Schnappauf übernommen hatte.
Bereits zum dritten Mal richtete die Stadt Marktredwitz dieses Informations-
und Diskussionsforum für das Fachpublikum von Wissenschaftlern und Anwendern
aus. Die fachliche Konzeption des Kongresses, erarbeitete eine Arbeitsgruppe
aus Vertretern des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und
Umweltfragen sowie des Bayerischen Geologischen Landesamtes und der Landesämter
für Umweltschutz und Wasserwirtschaft. Die Schwerpunkte der diesjährigen Tagung
waren die Umsetzung der Bodenschutzgesetze, die Bewertung von Bodenfunktionen
und die Interaktion Boden – Grundwasser.
Über 170 Fachleute von Firmen, Behörden und Universitäten aus der gesamten
Bundesrepublik, der Tschechischen Republik, Österreich, der Schweiz und
Weißrussland informierten sich in 25 Vorträgen über aktuelle Arbeiten im
Bodenschutz und die dabei gewonnenen praktischen Erfahrungen. In den
Vortragspausen konnten die Teilnehmer einerseits in der begleitenden
Posterausstellung weitere Beiträge mit den Autoren diskutieren, andererseits
bot sich die Gelegenheit, im kürzlich eröffneten Bodeninformations-System
des Bayerischen Geologischen Landesamtes zu recherchieren (www.bis.bayern.de).
Die traditionelle Exkursion in die benachbarte Tschechische Republik führte zu
den starken Mineralausfällungen in der Karlsbader Unterwelt und wurde durch ein
kulturelles Beiprogramm ergänzt. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine
Informationsveranstaltung zur Bodenanalytik gemäß Bundesbodenschutzverordnung
in der Außenstelle des Bayerischen Geologischen Landesamtes.
Der Kongress begann mit Vorträgen rund um das Themengebiet „Umsetzung der
Bodenschutzgesetze“. In den Referaten kam einerseits die Anerkennung über das
bisher in der Bodenschutzgesetzgebung Erreichte zum Ausdruck, andererseits zeigten
gerade die Beispiele zu schädlichen Bodenveränderungen, dass weiterhin
Fortschreibungsbedarf im Hinblick auf die Etablierung von Grenzwerten für weitere
chemische Substanzen besteht. Um die Qualität von bodenschutzrechtlichen
Untersuchungen zu gewährleisten, werden ab dem 1.1.2004 in Bayern öffentliche
Aufträge nur an eigens zugelassene Labore vergeben. Hintergründe und das
Zulassungsverfahren waren auch Thema dieser Sitzung. Weitere Referate beschäftigten
sich mit Bodenschutz-und Flächenmanagementsystemen unter Berücksichtigung der
bestehenden Regelwerke.
Die Bewertung von Bodenfunktionen als methodisches Werkzeug des Bodenschutzes
war Thema des zweiten Veranstaltungstages. Die Berücksichtigung von Bodenfunktionen
unter raumplanerischen Gesichtspunkten wurde von den Referenten als Chance gesehen,
besonders schutzwürdige Böden bei planerischen Anwendungen verstärkt zu
berücksichtigen. Welche Methoden überhaupt zur Bewertung von Bodenfunktionen zur
Verfügung stehen und welche Qualität sie besitzen, wurde in einem weiteren Beitrag
diskutiert. In Hinblick auf die Schutzwürdigkeit von Böden wurde darauf
hingewiesen, dass häufig kein geeignetes Kartenmaterial zur Verfügung steht,
um fundierte Schutzempfehlungen auf Planungsebene zu treffen.
Der dritte Themenkomplex befasste sich mit der Interaktion Boden-Grundwasser.
In den Referaten wurden Fragen zur Verlagerung von Stoffen aus Böden und
zum Stoffbestand des Bodensickerwassers ebenso erläutert wie die gesetzlich
vorgegebenen Labormethoden zur Ermittlung der Sickerwasserbeschaffenheit und ihr
Einsatz in der Praxis. Insbesondere die Vergleichbarkeit der einzelnen
Extraktionsmethoden war Bestandteil reger Diskussionen, die durch die Problematik
zur Übertragbarkeit von Laborergebnissen auf natürliche Situationen intensiviert
wurden. Im Hinblick auf den Schadstofftransfer vom Ort der Probenahme zum Ort der
Beurteilung wurden neue Ansätze zur Quantifizierung des präferentiellen Flusses
in Makroporen dargestellt.
Die Fachbeiträge wurden durch einen engagierten Vortrag von Prof. Dr. Hans
Willi Thoenes, ehemaliger Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates
Bodenschutz beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit,
zum Thema „Bodenbewusstsein schaffen! Warum und Wie?“ abgerundet. In seiner Rede
zeigte er auf, welch geringes Bewusstsein in der Öffentlichkeit für das
Umweltmedium Boden vorhanden ist. Häufig wird der Boden als „Dreck“
wahrgenommen; welche enorm wichtige Rolle der Boden mit seinen Funktionen jedoch
innerhalb der Umwelt einnimmt wird häufig verkannt. Ziel muss es daher sein,
das Bodenbewusstsein innerhalb der Bevölkerung zu schärfen und die Kenntnis über
den Boden zu vertiefen. Herr Prof. Thoenes sieht insbesondere bei Schülern und
Jugendlichen gute Möglichkeiten, Informationen von Bodenwissenschaftlern der
Öffentlichkeit zu vermitteln. Die Einrichtung von Bodenlehrpfaden sowie das
Bodenmuseum in Osnabrück zielen in die gleiche Richtung.
Eine Informationsveranstaltung zur Bodenanalytik gemäß Bundesbodenschutzverordnung
in der Außenstelle des Bayerischen Geologischen Landesamtes ergänzte Präsentationen
der Poster und Referate. Ausgelegt auf 30 Teilnehmer musste aufgrund des unerwartet
großen Interesses kurzfristig ein Zusatztermin organisiert werden. An vier
Stationen erläuterten Mitarbeiter des Bayerischen Geologischen Landesamtes in
Kleingruppen den insgesamt 70 Teilnehmern des Workshops die aufwendige
Probenaufbereitung sowie die Extraktionen nach DEV-S4, mit Ammonium-Nitrat
und mit dem Bodensättigungsextrakt. An den verschiedenen Stationen entwickelte
sich spontan eine rege Diskussion über Probleme und Erfahrungen mit den einzelnen
Extraktionsverfahren. Ergänzt wurde die Informationsveranstaltung durch
Posterbeiträge über das weitere Untersuchungspotential für den vorsorgenden
Bodenschutz im Bereich der organischen sowie Festkörperanalytik. Darüber hinaus
fand das Probenlager für getrocknete sowie tiefgefrorene, feldfrische Bodenproben
Beachtung.
Die vierte Auflage der Markredwitzer Bodenschutztage wird abweichend vom bisherigen
zweijährlichen Rhythmus im Jahr 2006 zeitgleich mit der grenzüberschreitenden
Gartenschau Marktredwitz/Cheb (Eger) stattfinden.
Der Tagungsband mit Vorträgen und Posterbeiträgen zu den 3. Marktredwitzer
Bodenschutztagen ist im Internet unter www.umweltministerium.bayern.de/aktuell/download/boden/mbtage3.pdf
verfügbar. Der Tagungsband kann auch unter „Bayerisches Geologisches Landesamt,
Außenstelle Marktredwitz, Stichwort: MBT2003 – Tagungsband, Leopoldstr. 30,
95615 Marktredwitz und Beilage des Rückportos von 2.20 € kostenlos
angefordert werden.
Jörg Dilling (Bayerisches Geologisches Landesamt)
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